Thema des Monats

Eine chronische Erkrankung steht einer Fernreise nicht entgegen, doch es sind Vorkehrungen zu treffen...


Fernreisen: mobil auch bei chronischer Erkrankung

Eingeschränkte Urlaubszielwahl?
Prinzipiell bedeutet eine chronische Erkrankung heutzutage keine Einschränkung für die Reisetätigkeit und das Reiseziel – vorausgesetzt, die chronische Erkrankung ist stabil und gut behandelt. Bei Patienten mit Koronarer Herzkrankheit setzt dies voraus, dass sie medikamentös gut eingestellt sind und die Anfallshäufigkeit minimal ist. Allerdings sollten diese Patienten bedenken, dass Höhen über 2.500 Meter ü.NN. bei Durchblutungsstörungen des Herzens gefährlich sein können und dass ein Urlaub unter Umständen mehr körperliche Belastungen mit sich bringt als der Alltag zu Hause.

Was viele vergessen, ist die Inanspruchnahme von Hilfestellungen zur Reduzierung der körperlichen Belastung. Das sind zum Beispiel Transportmöglichkeiten innerhalb des Flughafens und beim Umsteigen oder Erleichterungen bei der Sitzwahl.

Besondere Vorkehrungen
Für jemanden, der an einer chronischen Erkrankung leidet, ist es wichtig (und wichtiger als für einen "normalen" Reisenden), genau zu planen:

Solche Vorkehrungen sind wichtig, sie machen den Urlaub stressärmer und unkomplizierter.

Vorab Beratungsgespräch
Einem chronisch kranken Menschen wäre sehr anzuraten, sich vor Reiseantritt Rat einzuholen. Dies gilt besonders bei für den Patienten neuen Reisezielen. Reiseberatung ist vor allem auch für Patientengruppen wichtig, die neu zu reisen beginnen. Vor Jahren hätten es bestimmte Erkrankungen einfach nicht erlaubt zu verreisen. Aufgrund verbesserter Medikamente beginnen sich jetzt viele Patienten, die das Immunsystem schwächende Arzneimittel einnehmen müssen, ihre Wunschträume mit Tropenreisen zu erfüllen. Hier tauchen Unklarheiten auf wie "Impfungen – ja, nein?" oder "Welche Erkrankungen sind besonders gefährlich?" Diabetiker können hier bereits auf ein recht gut organisiertes Unterstützungsnetz zurückgreifen. Es gibt viele Informationen im Internet und bei Diabetesgesellschaften, von genauen Angaben bezüglich Insulin und Zeitverschiebung bis hin zu Vorlagen für mitzuführende Bestätigungen.

Wer wie beraten sollte
Die Reisemedizin ist ein breites Fachgebiet, in dem sich viele Themen aus unterschiedlichsten Fachrichtungen treffen. Es ist nicht damit getan, in Eigenregie aus Länderlisten abzulesen, welche Impfungen für welches Reiseland empfohlen werden. Es kommen noch Fragen der Prophylaxe von Durchfallserkrankungen, Kombinierbarkeit der nötigen Medikation oder Notfall-Selbsthilfemedikation hinzu. Reisemedizin ist nicht mit Impfen gleichzusetzen. Je mehr die Reise in tropische Gebiete geht, je mehr Malaria ein Thema ist, umso mehr sollte dies in die Hände von jemandem gelegt werden, der sich die Zeit nehmen kann und über ausreichende Erfahrung verfügt.

Im Idealfall werden solche Beratungen vom behandelnden Arzt oder einem Spezialisten für Reisemedizin durchgeführt. Ein solcher Spezialist kann auch ein entsprechend zertifizierter Apotheker sein. Alle Aspekte sind sehr gut zu überlegen und gegebenenfalls sogar zu üben. Es handelt sich um ein komplexes Gebiet und eine fundierte Beratung nimmt bis zu eine Stunde in Anspruch.

Arztkontakt vor Ort
Vor Ort sollte man sich vorsorglich darum kümmern, wie sich ein zuständiger Arzt erreichen lässt. Es ist in vielen Gegenden so, dass man zumindest in den großen Hauptstädten eine gute medizinische Versorgung vorfindet. Man sollte sich bereits vorab informieren, welche Krankenhäuser und Ärzte von Botschaften empfohlen werden bzw. was Versicherungen hinsichtlich Rückholung und Absicherung anbieten. Für chronisch Kranke ist es besonders wichtig, alle klein gedruckten Abschnitte ihrer Reiseversicherung genau durchzulesen, da Verschlechterungen bestehender Erkrankungen oft vom Versicherungsschutz ausgenommen sind.

Befund mitnehmen
Man sollte vor allem dann einen Befund mitführen, wenn man regelmäßig Medikamente einnehmen muss. Es ist sinnvoll, einen zumindest zweisprachigen kurzen Arztbrief (Deutsch/Englisch) mitzunehmen, der die Diagnose und die regelmäßig eingenommenen Medikamente – am besten in Form der Substanz und des Handelsnamen – listet.

Auch für die Mitnahme von Spritzen ist eine gesonderte Bestätigung sinnvoll. Diese sollte möglichst offiziell aussehen und mit möglichst vielen Stempeln bzw. Emblemen von Gesellschaften versehen sein. Sie sind eine Hilfe bei Grenzübertritten mit 20, 30 Spritzen im Gepäck. Gerade in touristisch nicht stark erschlossenen Regionen kann man auf eifrige Beamte treffen, die am Eigenbedarf der Medikamente oder Spritzen zweifeln.

Für Diabetiker gibt es vorgedruckte Ausweise. Es ist anzuraten, diese Ausweise für andere Krankheiten zu adaptieren und sich vom Arzt ausstellen zu lassen.

Weitere Tipps
Lassen Sie sich vom Apothekenteam Ihres Vertrauens beraten und ggf. eine Reise-Impfempfehlung erstellen!

Quelle: Text: meXXart pohl & veith GbR